Gedanken um das Bewertungssystem des Menschen

Der Mensch bewertet gerne und oft, unsere Gedanken schweifen ständig um unser eigenes  Bewertungssystem.

Das ist gut oder böse, hässlich oder schön, dumm oder intelligent, Norm an – Norm aus, usw.

Wenn man dann Kommentare in YouTube oder diversen Foren liest, erschauert es einen, denn man glaubt, dass deren Horizont nur bis zum nächsten Abflussrohr reicht.

Viele negative Argumentationen werden geschrieben denke ich, um unsere eigenen Ängste zu kompensieren.

Nach dem Motto:

v  Schutzschildfassade

Oh Gott ist die fett und hat trotzdem Erfolg (viel gelesen in Youtube über Beth Ditto, gewichtige Sängerin mit geiler Stimme).

Ja warum nicht, will man da sagen! Eine Hammerfrau ungleich der Norm:

Sind diese Menschen dann einfach nur beschränkt sehend oder nur einfach gestrickt ?

–  Eine Erklärung dafür könnten innere Freiheitsblockaden für andere sein.

–   Nach dem Schema: Ich bin in meinem Käfig gefangen, dann darfst du auch nicht frei sein und musst der Norm folgen.

–   Hoffentlich passiert mir so etwas nicht, denn ich habe kein „Gegengewicht“ für einen fetten Körper, also ist das andere schlecht, denn ich will auch nicht so sein .

Besonders erschrocken haben mich die Kommentare auf das Buch von der für 8Jahre gefangen gehaltenen Natascha Kampusch.

Als ginge es da um einen spannenden Thriller, der gefälligst zu unterhalten hat.

Für solche Themen findet sich überhaupt kein „passender Kommentar“

Gar eine/r schrieb, er könnte diese Frau in der Öffentlichkeit nicht mehr ertragen.

Diese Frau schreibt und tritt in die Öffentlichkeit, da hat sie gefälligst die Norm zu erfüllen und die Massen zu unterhalten, meinen dann manche abgestumpfte Zeitgenossen.

Ich glaube das solche Menschen die Krieg erlebt haben (diese Gefangenschaft kann man als Kriegserlebnis bezeichnen) dies niemals richtig ablegen können, denn das Vertrauen ist auf der Strecke geblieben und eine Normalität darauf schwer zu finden.

Deshalb bewundere ich Frau Kampusch sehr, dass sie diesen Kämpfergeist an den Tag legt und Denunzianten trotzt.
Nachtrag 25.02.13 Merkwürdiges unsensibles Interview von Günter Jauch mit Frau Kampusch. Habe reingeschaut und musst gleich wieder abschalten.

Wenn wir gerade bei diesem leidvollen Thema sind, möchte  ich erwähnen, dass ich dafür plädiere, das Wort Kinderpornografie ersatzlos zu streichen.

Dieses Wort sollte zum Unwort des Jahrhunderts gewählt werden. Pornografie stellt für viele Leute etwas Begehrliches dar (lt. Internet sollen sich 28.200 Leute alle Sekunde ein Video anschauen) und deshalb gehört dieses Wort nicht in Zusammenhang mit dem Wort und Wesen Kind. Das irritiert und gaukelt dieser Abscheulichkeit etwas an, dass es nicht besitzt, nämlich ein umgängliches Wort das dem Tathergang die Brisanz nimmt, der ein einseitiger Gewaltakt ist.

Pornografie hat in unserer heutigen sexuellen Gesellschaft seinen Tabubruch verloren und ist deshalb in einer Tatbeschreibung im Wort nicht mehr zeitgemäß.

Es müsste wohl ein Kunstwort dafür gefunden werden, dass diese Abartigkeit am besten widerspiegelt.  Gräuelpraktiken an Minderjährigen oder auch andere Gewaltübergriffe an allen anderen hilflosen Menschen, sollten nicht mit dem Wort Pornografie in Zusammenhang gebracht werden.

Jetzt bin ich aber leider abgeschweift.

Mit Bewertungen über andere möchten wir die Kontrolle behalten oder sie über den anderen gewinnen und darüber hinaus vielleicht auch noch andere machtvoll beherrschen oder uns dadurch durchsetzen , das gelingt am besten in dem man seinen Gegenüber schwächt und mit Worten oder Taten erniedrigt.

Zeugt aber nicht von Überlegenheit, obwohl das Wort schon wieder eine Überheblichkeit an sich widerspiegelt, die es so nicht trifft, dann wohl eher Gleichmut.

Man könnte auch von Unreife sprechen, dass ist mir aber zu grob gegriffen, denn jeder Mensch hat eine eigene Entwicklungsstufe.

Die Beweggründe für das eigene menschliche Bewertungssystem  zu hinterfragen, ist denke ich, ein guter Weg sich selbst besser kennenzulernen, humaner zu handeln und davon menschlich zu profitieren.

Das negative Bewertungssystem greift immer dann, wenn ich

– unsicher bin

– dominieren will

– Neid empfinde ( Ich erkenne die andere Person an, weil sie meiner Norm entspricht  und somit eigentlich zur Kategorie „dominieren will“ gehört)

Das positive Bewertungssystem greift immer dann, wenn ich

– unsicher bin

– Freude empfinde

– Neid empfinde (wird eigentlich von vielen als positiver eigener Antriebsmotor betrachtet, ist aber eigentlich für meinen Gegenüber negativ |er muss meine gesetzte Norm erfüllen|, siehe oben)

Wenn wir unsere eigenes Bewertungssystem knacken können, sind wir vielleicht  an der Bibelstelle in der geschrieben steht:

Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt worden bin.

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